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Jugend ohne Wirtschaft?

Wirtschaft ist oft ein böses Wort. Ein Wort, das Kinder noch recht einfach bis gar nicht verstehen und denken, denn politisch aufgeladen wird es erst später im Leben. Die Kombi aus Wirtschaft und Bildung hat in mir schon als junges Mädchen eine große Abneigung ausgelöst. Auf keinen Fall wollte ich später einmal in einem faden Büro mit lauter Anzugträger_innen sitzen und nur etwas machen, wo das Ziel ist, dass alle am Ende reicher werden. Schon gar nicht wollte ich in eine HAK, die mir meine Eltern versucht haben einzureden (zurecht!). Viel zu ernst, zu wenig Freiraum, aber vor allem zu viel Wirtschaft und diese verstehen eh nur die, die “viel Geld haben” – das war in meinem Kopf. All das habe ich mir unter dem Wort „Wirtschaft“ vorgestellt. 

Aber Wirtschaft ist viel mehr und um diesen großen Begriff einordnen zu können, muss man es zuerst verstehen. Erst auf der Uni habe ich Zusammenhänge in der globalen Welt nachvollziehen können. Erst dort habe ich verstanden, warum wir „Wirtschaft“ brauchen, aber auch sehr gut im Blick und in der (eigenen) Hand haben müssen. Wirtschaft ist vor allem ein Sammelbegriff für ganz viele Bereiche des Lebens, in denen man mit ihr in Berührung kommt. Sei es das erste eigene Taschengeld, das für neue Sneaker oder diesen Eistee vom Lieblingsrapper im Supermarkt drauf geht oder sei es der eigene Weg in’s Erwachsenwerden: Wir sind von klein auf Situationen ausgesetzt, wo wir Entscheidungen treffen müssen, die nicht nur unser Geldbörserl betreffen. 

In welche Schule wir gehen, welchen Weg wir einschlagen, wo wir uns informieren, wie wir konsumieren und was: Das alles bestimmt unseren Weg als junger Mensch. Diesen Weg gilt es sich selbst (und mit Hilfe von Programmen, die genau hier ansetzen) zu pflastern, ungehindert davon, wie der Weg bis dato ausgesehen hat. Unser Chancen-Fairness Ansatz greift vor allem auch beim Thema Wirtschaft, denn ob du dich dazu ermächtigt fühlst, “die Wirtschaft” verstehen zu können, liegt auch am eigenen sozio-ökonomischen Umfeld. 

Eine Studie der Münze Österreich im Jahr 2018 hat ergeben, dass zwar Taschengeld beispielsweise ein gängiges Konzept ist, aber immer noch 13% der Kinder und Jugendlichen in Österreich gar kein beziehungsweise unregelmäßig (15%) Taschengeld bekommen. Finanz- und Wirtschaftsbildung ist laut der Studie, vor allem zuhause ein Thema, in der Schule jedoch kaum – schon gar nicht in praktischer Hinsicht. Aber was, wenn das Zuhause kein Zentrum für Finanzexpertise und Sparkompetenz sein kann? Wo lernen Kinder und Jugendliche den Umgang damit und wer bringt ihnen diese wesentlichen Dinge bei, die ihnen kurz- aber auch langfristig dabei helfen, ihr Leben unabhängig und eigenständig im Griff zu haben?

Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass ich diese Zusammenhänge bereits in meiner Schulzeit besser verstanden hätte und gewusst hätte worum es geht. Ich hätte mir gewünscht, dass das nicht an den Eltern hängen bleibt oder an der Tatsache, ob sich bei ihnen ein Taschengeld für das Kind ausgeht oder nicht, denn jedes Kind und jede_r junge Erwachsene hat ein Recht darauf zu lernen wie man mit Geld umgeht und gute, nachhaltige Entscheidungen für sich trifft. Verglichen mit der heutigen Zeit, in der Jugendliche im Netz so viel Information ausgesetzt sind und einen ganz anderen Zugang zu großen und komplexen Themen haben, braucht es daher umso mehr Programme, die sie unterstützend dabei begleiten. 

Hier sehen wir als MEGA Bildungsstiftung Handlungs- und Förderbedarf. Jedes Kind und jeder junge Mensch, der gerade sein Erwachsenenleben startet, braucht die besten Möglichkeiten und Ressourcen, damit es sich ungehindert so entfalten kann, wie es das möchte. Dafür braucht es Wissen und Bildung, aber es braucht auch einen Empowerment-Moment: Das eigene Leben selbst in die Hand nehmen, seinen Weg gehen und sein Ding machen! Ich bin überzeugt, dass solche Momente junge Menschen nachhaltig selbstbewusster, reflektierter und verantwortungsbewusster machen – und das hilft nicht nur ihnen selbst, sondern auch ihrer Community. 

Mit der zweiten Bildungsmillion suchen wir Projekte, die genau hier ansetzen. Bis 5. Mai können sich bereits bestehende Teams mit ihrem Projekt oder ihrer neuen Idee bewerben. Alle Infos gibt es hier: https://www.megabildung.at/bildungsmillion/ 

Alberta Sinani, Projektmanagerin bei MEGA

„Schulen entlang ihrer Stärken vorwärts ins Neue und Positive bringen“ – Im Interview mit Ulrike Lichtinger

„Eine (Aus-)Bildung, die einem niemand mehr wegnehmen kann“ – Im Interview mit Sonja Zimmermann

Wirtschaftskompetenz 2021 & Good Practice-Beispiele

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