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„Eine (Aus-)Bildung, die einem niemand mehr wegnehmen kann“ – Im Interview mit Sonja Zimmermann

Sonja Zimmermann

Die MEGA Bildungsstiftung unterstützt innovative Bildungsinitiativen mit einem für Österreich sehr hohen Startbudget. Warum ist das so wichtig?

Wir haben in Österreich ein großes Defizit im Bildungsbereich. Es gibt viel zu tun. Mit der MEGA Bildungsstiftung wollen wir dazu in unserem Bildungssystem einen Beitrag leisten. Im ersten Jahr haben wir den Schwerpunkt auf Chancen-Fairness gelegt – ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Wir wollen, dass alle Kinder in ihrer schulischen Laufbahn die gleichen Chancen haben. Das ist alles andere als selbstverständlich in Österreich. Denn der Bildungserfolg hängt nach wie vor stark vom Bildungsgrad und Engagement der Eltern ab. Das sehen wir nicht zuletzt auch an den Abschlüssen.  2021 fördern wir mit einer Ausschreibung rund um unseren zweiten Stiftungsschwerpunkt Wirtschaftskompetenzen und Life Skills. 

Die MEGA Projekte sind das Herzstück, die Übersetzer der MEGA Bildungsstiftung. Welche Kriterien sind für die Förderung zentral?

Es gibt bereits viele Projekte in Österreich und ich durfte in der Vergangenheit bereits viele davon kennenlernen. Wir müssen also das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Ich fand es schon immer bereichernd, einzelne Bildungsinitiativen zu vernetzen. Oftmals kennen sich diese untereinander gar nicht. Daher wollten mit der ersten Ausschreibung im Jahr 2020 bereits bestehende Projekte unterstützen, damit diese ihre Initiativen in die Breite oder Tiefe bringen können. Weitere Kriterien sind, welchen Impact und welches konkrete Wachstumsvorhaben die Projekte haben. Wissen diese Initiativen, wo sie hinwollen? Haben Sie eine konkrete Vision, um größer zu werden und ihre Initiative noch mehr Kindern zugänglich zu machen? 

Wo und wie wird die MEGA Bildungsstiftung zum Wachstumsförderer?

Wir haben bestehende Initiativen unterstützt und ihnen die konkrete Frage gestellt: Welche Pläne haben die Projekte mit dem Geld? Das führt dazu, das sich die Projekte darüber Gedanken machen. Die TOP 3 erhielten jeweils 230.000 Euro – das ist viel Geld, selbst für große Bildungsinitiativen in Österreich. Wenn eine Initiative dafür einen Plan entwickeln muss, hilft ihr das, sich selbst stärker zu fokussieren und in die Breite oder Tiefe zu kommen.

Welche Bildungsinitiativen wünscht Du Dir konkret? 

Ich wünsche mir Beiträge, die nachhaltig das System verändern. Mir persönlich haben jene Initiativen am besten gefallen, die nicht nur einzelne Kinder unterstützen, sondern systemverändernd wirken – langfristig und nachhaltig. Das sind für mich die wirkungsvollsten und spannendsten Projekte.

Warum ist es so wichtig, dass Kinder und Jugendliche eine faire Chance auf dem Bildungsweg haben? 

Das Leben ist nicht immer gerecht und gleich für alle, aber eine gute Bildung und Ausbildung kann einem niemand mehr wegnehmen. Auch wenn ich morgen – aus welchen Gründen auch immer – nichts mehr hätte, kann ich auf dem aufbauen, was ich gelernt habe. Wenn diese Grundlage fehlt, dann vertieft das gesellschaftliche Unterschiede in einem Maße, das ich für nicht angebracht halte. Das bedeutet eine Verschwendung von Talenten – ob im Zusammenhang mit dem Thema Chancen-Fairness oder auch im Rahmen von Wirtschaftskompetenzen und Life Skills. Unabhängig vom Elternhaus brauchen Kinder die gleichen Startvoraussetzungen oder zumindest eine zusätzliche Unterstützung, die sie von zu Hause vielleicht nicht erhalten.

Welchen Einfluss hat das auf den Wirtschaftsstandort Österreich?

Wir jammern über den Facharbeiter_innenmangel und benötigen qualifizierte Mitarbeiter_innen, aber lassen gleichzeitig Talente verkümmern. Somit haben unsere Stiftungsschwerpunkte auch einen starken Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Österreich. Jedes Jahr verlassen 7.000 Kinder unser Bildungssystem ohne einen formalen Schulabschluss. Das ist für die betroffenen Kinder eine persönliche Tragödie. Mittelfristig ist das aber auch für die Wirtschaft und das Land insgesamt schlecht, weil diese Menschen im Sozialsystem landen. Sie zahlen dann keine Steuern ein, sondern erhalten Geld. Daher wäre das Geld jetzt besser investiert, damit auch sie eine Chance haben, eigenständig und unabhängig ihr Leben zu gestalten. Das macht vermutlich auch insgesamt zufriedener, als abhängig zu sein. 

Was waren Deine persönlichen MEGA Momente? 

Es gab ganz viele MEGA Momente für mich. Ich finde es unglaublich, was unser Team hier von Null weg aufgebaut hat und welch professionelle und unglaublich gute Arbeit sie geleistet haben. Ich bedanke mich dafür bei den Dreien. Corona hat uns zwar das große Finale im März 2020 vermasselt, aber auch das wurde gut mit der Bildungswoche im Frühstücksfernsehen auf PULS4 gemeistert. Das war auch eine gute Möglichkeit, diese Initiativen auf die Bühne zu bringen. Was mich außerdem positiv überrascht hat, waren die vielen Einreichungen. Von den über 250 Einreichungen hat eine große Zahl allen Kriterien entsprochen. Von dieser großen Anzahl an Einreichungen in einem ersten Schritt 100 auszuwählen war schon nicht gerade einfach. Anschließend dann noch einmal auf die besten zwanzig, unsere TOP 20, zu reduzieren war eine Herausforderung. Die Auswahl war wirklich schwierig. Es war ein schöner Moment und eine große Überraschung zu sehen, wie viele gute Initiativen es gibt. 

*Das Interview ist im Rahmen des MEGA Meilensteins mit Sonja Zimmermann (Vorstand, MEGA Bildungsstiftung) entstanden. 

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