Bildungsklima-Index zu Elementarpädagogik: Es gibt Handlungsbedarf bei Personalmangel und Gruppengrößen

Eltern, Pädagog:innen großteils zufrieden mit Rahmenbedingungen und Bildung im Kindergarten – Mängel bei Personal, Gruppengröße und Wertschätzung.
Der MEGA Bildungsklima-Index misst seit 2021 regelmäßig die Zufriedenheit mit dem heimischen Bildungssystem, durchgeführt vom MEGA Bildungsverein und umgesetzt vom Meinungsforschungsinstitut Triple M. Jetzt veröffentlichen wir die aktuellsten Ergebnisse für den Bereich Elementarpädagogik. Über 600 Personen (317 Eltern, 293 Kindergarten-Pädagoginnen und Pädagogen, -Leiterinnen und -Leiter, -Assistentinnen und -Assistenten) haben teilgenommen. Ihre Aufgabe: Schulnoten für die Teilbereiche der Elementarpädagogik vergeben.
Zufriedenheit mit Rahmenbedingungen und Infrastruktur
Die 2025 erhobenen Daten zeigen hohe Zufriedenheit mit der österreichischen Elementarpädagogik in vielen Bereichen. So vergab über die Hälfte aller Befragten ein „sehr gut“ oder „gut“ für die allgemeinen Rahmenbedingungen und Infrastruktur in Kindergärten.
Besonders positiv bewerteten beispielsweise Eltern das Klima und die Freude der Kinder am Kindergartenbesuch (88 % „sehr gut“ oder „gut“), die Ausstattung mit Spielsachen und Beschäftigungsmaterialien (85 % „sehr gut“ oder „gut“) und den Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft oder nicht-deutscher Muttersprache (84 % „sehr gut“ oder „gut“). Bei Pädagog:innen zeigt sich in diesen Punkten ein ähnliches Bild. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit diesen Rahmenbedingungen seit 2022 leicht gestiegen.
Pädagogische Arbeit gut bewertet – aber Eltern positiver als Fachkräfte
Auch mit der pädagogischen Arbeit und der Vermittlung von Fähigkeiten sind beide Gruppen großteils zufrieden. Der Vergleich zur letzten Erhebung 2022 zeigt allerdings einen bemerkenswerten Trend: Bei Eltern ist die Zufriedenheit mit der Arbeit der Pädagog:innen tendenziell gestiegen, bei den Fachkräften selbst eher gesunken.
Das zeigt das Beispiel „Vermittlung von Alltagshandlungen wie Ordnung halten, Händewaschen oder Essen“: Hier stieg der Anteil an „sehr gut“ von Eltern um vier Proz
entpunkte auf 58 % , bei Pädagog:innen sank er um fünf Prozentpunkte auf 55 %.
Diese gegenläufige Entwicklung zeigt sich auch bei „kreativen Tätigkeiten wie Malen oder Basteln“ oder „freiem und selbstständigem Spielen“. Allerdings ist die Grundzufriedenheit auch bei Pädagog:innen hoch, auch sie vergeben bei all ihren Arbeitsfeldern zu über 50 % „sehr gut“ oder „gut“.
Diese Ergebnisse zeigen klar, dass die Eltern weiterhin großes Vertrauen in die Elementarpädagogik setzen, in einigen Bereichen ist die Zufriedenheit sogar noch gestiegen. Deutlich wird aber auch, was die Pädagoginnen und Pädagogen benötigen, um ihre wichtige Arbeit gut fortführen zu können. Vor allem braucht es mehr Personal, kleinere Gruppen und mehr Unterstützung durch Coachings.
Lisa-Maria Sommer-Fein, Vorständin des MEGA Bildungsvereins
Handlungsbedarf bei Gruppengrößen und Personalmangel und fehlende Wertschätzung
Dringenden Verbesserungsbedarf sehen die Pädagog:innen beim Personalmangel und der Größe von Kindergruppen, diese Punkte wurden in einer offenen Frage am häufigsten genannt. Das gaben auch die Eltern an und reihten passend dazu die individuelle Betreuung für die Kinder als Top-Priorität.
Außerdem wünscht sich ein großer Teil der pädagogischen Fachkräfte mehr persönliche Unterstützung durch Coaching und Supervision. Ein möglicher Zusammenhang besteht mit Herausforderungen durch die soziale und psychische Situation der Kinder: Über die Hälfte der Pädagog:innen gibt an, dass diese sie bei ihrer Arbeit stark beeinflusst.
Wunsch nach mehr Wertschätzung für den elementarpädagogischen Beruf
Außerdem vermissen die befragten Pädagog:innen weiterhin Wertschätzung. Nur 6 % der befragten Fachkräfte stimmen zu, dass „die meisten Menschen ihren Beitrag für die Gesellschaft anerkennen“. Fast die Hälfte (47 %) erlebt das kaum bis gar nicht.
Allgemeine Rahmenbedingungen und Gemeinschaft im Kindergarten: Breite Zufriedenheit
Über 50 % der Befragten bewerten die allgemeinen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur in Österreichs Kindergärten mit „sehr gut“ oder „gut“. Besonders viele Eltern vergaben ein „sehr gut“ oder „gut“ bei „Allgemeines Klima, wie gern das Kind in den Kindergarten geht“ (85 %), „Ausstattung mit Spielsachen und Beschäftigungsmaterial“ (85 %) und „Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft oder nicht-deutscher Muttersprache“ (84 %).
Auffällig ist eine leichte Verbesserung bei jenem Faktor, mit dem Eltern 2022 und 2025 am wenigsten zufrieden waren: „Betreuungsmöglichkeiten in den Ferien und an anderen Schließtagen“ erhielt diesmal von 45 % ein „sehr gut“, 2022 waren es 39 %, und der Anteil an „befriedigend“ bis „nicht genügend“ sank von 33 auf 30 %.
Auch die befragten Pädagog:innen gaben zum Großteil „sehr gut“ und „gut“ für das allgemeine Klima im Kindergarten (92 %) und den Umgang mit Kindern unterschiedlicher Herkunft (83 %). Etwas unzufriedener als die Eltern sind sie mit der Ausstattung, besonders mit Räumlichkeiten und Möbeln: 38 % vergeben hier ein „befriedigend“ bis „nicht genügend“ (Eltern: 23 %) und 51 % sehen hier dringenden Handlungsbedarf (Rang 1 oder 2 in einer Reihungsfrage). Gleich danach folgen „Verbesserungen zur Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen“ (49 %).
Pädagogische Arbeit: Gute Noten für Vermittlung von Kreativität, Alltagshandlungen und selbstständigem Spielen
Die befragten Eltern sind im Schnitt zufrieden mit der Arbeit der Pädagog:innen bei der Vermittlung von Kompetenzen. Die meisten „sehr gut“ vergaben sie für die Vermittlung von freiem und selbstständigem Spielen (63 %) kreativen Fähigkeiten (60 %) und Alltagshandlungen wie Ordnung halten oder Händewaschen (58 %).
Auch Pädagog:innen sehen hier ihre größten Stärken, allerdings zeigt sich beim Vergleich mit 2022 ein leicht gegenläufiger Trend zu den Eltern. Bei der Vermittlung von freiem und selbstständigem Spielen gaben sich die Pädagog:innen zu 60 % ein „sehr gut“, um vier Prozentpunkte weniger als 2022, unter den Eltern waren es acht % mehr.
Die Vermittlung von Alltagshandlungen vergaben die Fachkräfte zu 55 % ein „sehr gut“, um 5 % weniger, Eltern vergaben um vier Prozentpunkte mehr. Und bei „kreative Tätigkeiten“ sank der Anteil an „sehr gut“ von Pädagog:innen um drei Prozentpunkte auf 53 % , unter Eltern stieg er gleichzeitig um sieben Punkte.
Arbeitsbedingungen für Pädagog:innen: Handlungsbedarf bei Coaching, Fachpersonal und Gruppengrößen
Pädagog:innen schätzen besonders das gute Arbeitsklima (73 % „sehr gut“ oder „gut“) und die Kommunikation im Team und mit der Leitung (71 % „sehr gut“ oder „gut“). Geringere Zufriedenheit zeigen sie bei der Ausstattung, besonders IT-Technik (38 % „genügend“ oder „nicht genügend“) und Schreibtischen für Administrations- und Vorbereitungsarbeiten (42 % „genügend“ oder „nicht genügend“).
Den größten Verbesserungsbedarf im Arbeitsumfeld sehen die befragten Pädagog:innen bei Coachings, Beratungen und Supervision. Diese Formen der persönlichen Unterstützung wurden von 38 % auf Platz 1 oder 2 der dringendsten Handlungsfelder gereiht, nur 19 % vergeben hier ein „sehr gut“. Und: Über die Hälfte der Pädagog:innen gibt an, dass die psychische und soziale Situation der Kinder sie bei ihrer Arbeit stark beeinflusst.
Bei einer offenen Frage nach allgemeinem Handlungsbedarf in der Elementarpädagogik nannten jeweils 27 % kleinere Gruppen und mehr Fachpersonal. Passend zu Letzterem sollen mögliche zusätzliche Budgetmittel am ehesten für neue Sozialarbeiter:innen eingesetzt werden, und die wahrgenommene Nützlichkeit von weiteren Pädagog:innen stieg von 59 auf 66 %.
Dieselbe offene Frage nach Verbesserungen in der Elementarpädagogik wurde auch Eltern gestellt. Am häufigsten genannt wurden bürokratische organisatorische Anliegen. Die anderen Prioritäten waren dieselben und hängen zusammen: kleinere Gruppen, mehr Personal und individuellere Förderung der Kinder.
Fehlende Wertschätzung für Pädagog:innen
Weiterhin erleben Pädagog:innen geringe Wertschätzung für ihre Arbeit und ihre Rolle in der Gesellschaft: Nur 6 % stimmen zu, dass „die meisten Menschen ihren Beitrag für die Gesellschaft anerkennen“, fast die Hälfte (47 %) sieht das kaum bis gar nicht.
Die Ergebnisse des Bildungsklima-Index 2025, der das gesamte heimische Bildungssystem inklusive Schulen abbildet, sind hier einsehbar.